Politisches Engagement

Holzschutzverordnung

Vom Klassenzimmer bis ins EU-Parlament: Schülerinnen und Schüler kämpfen gegen Tropenholz in Grillkohle und für wirksamen Schutz vor globaler Entwaldung.

Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Emmerich am Rhein vor dem EU-Parlament in Brüssel
Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Emmerich am Rhein vor dem EU-Parlament in Brüssel.

Von Grillkohle zur europäischen Waldschutzpolitik

Noch immer besteht Grillkohle zu einem erheblichen Teil aus tropischen Hölzern und trägt damit zur Vernichtung der „grünen Lunge“ unseres Planeten bei. Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Emmerich am Rhein schrieben deshalb unter anderem an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

Im Mittelpunkt stand eine Gesetzeslücke: Grillkohle war nicht im Anhang der damaligen EU-Holzhandelsverordnung EUTR aufgeführt. Für importierte Holzkohle musste deshalb nicht in gleicher Weise nachgewiesen werden, dass das verwendete Holz legal eingeschlagen worden war. Die Jugendlichen forderten außerdem eine verbindliche Kennzeichnung von Holzarten und Herkunftsländern.

Ihr Einsatz zeigte Wirkung: Im September 2019 sprach sich der Deutsche Bundesrat dafür aus, Grillkohle in die Holzhandelsverordnung aufzunehmen. Die Jugendlichen wollten mehr erreichen, starteten eine Petition an das Europäische Parlament und wurden im Februar 2020 sowie im September 2022 nach Brüssel eingeladen.

Originale Projektgeschichte

Briefe, 547 Unterschriften und der Weg nach Brüssel

Die 15-seitige Projektdokumentation zeigt, wie aus Unterricht konkrete demokratische Beteiligung wurde – über Kanzleramt, Ministerien und EU-Kommission bis ins Europäische Parlament.

547Unterschriften aus der Gesamtschule
750.000 tEU-Grillkohleimporte 2018 laut Schülerbrief
5 Mio. m³geschätzter Holzeinsatz für drei Hochrisikoländer

Dez. 2018

Antwort aus dem Bundeskanzleramt

Die Schülerinnen und Schüler erhielten eine erste Antwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihr Engagement für nachhaltige Grillkohle.

Juni 2019

Demokratiepreis und ein neuer Brief

In Bad Münder nahmen sie den Demokratiepreis „gesagt – getan“ entgegen. Unmittelbar danach baten sie das Bundeskanzleramt erneut, bei legaler und nachhaltiger Grillkohle endlich „Nägel mit Köpfen“ zu machen.

Juli–Sept. 2019

Der Brief wandert durch die Ministerien

Das Kanzleramt leitete die Forderungen an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft weiter. Die Antworten würdigten das Projekt, blieben aus Sicht der Jugendlichen aber zu allgemein.

Okt. 2019

547 Unterschriften für Europa

Die Jugendlichen weiteten ihre Forderung auf die Europäische Union aus. 547 Schülerinnen und Schüler unterzeichneten den Brief an die Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission.

Nov. 2019

Anerkennung aus Südkorea

Zwei Vertreter des koreanischen Ministeriums für Jugend und Familie besuchten die Gesamtschule Emmerich. Sie wollten vom projektbasierten Lernen und der selbstständigen politischen Arbeit der Jugendlichen lernen.

Nov. 2019–Jan. 2020

Direkter Kontakt ins EU-Parlament

Weil eine Antwort aus Brüssel ausblieb, wandte sich die Schule an Europaabgeordnete mehrerer Parteien. Aus dem Büro von Sven Giegold kam eine erste fachliche Einordnung – verbunden mit der Aufforderung, am Ball zu bleiben.

Originaldokument · 15 Seiten

Projekt „Nachhaltige Grillkohle“ 2018–2020

Die vollständige Dokumentation enthält die Briefe, Antwortschreiben, Unterschriftenaktion, Pressebelege und die Korrespondenz mit Europaabgeordneten.

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Vom Schülerprojekt zum Gesetzgebungsprozess

Die wichtigsten politischen Stationen bis zur europäischen Entwaldungsverordnung.

Sept. 2019

Der Bundesrat spricht sich dafür aus, Grillkohle in die Holzhandelsverordnung aufzunehmen.

Feb. 2020

Erste Einladung der Schülerinnen und Schüler ins EU-Parlament nach Brüssel.

Nov. 2021

Die EU-Kommission legt ihren Entwurf für eine Verordnung gegen Entwaldung vor.

Sept. 2022

Erneute Einladung ins EU-Parlament, um die Forderungen in Brüssel zu vertreten.

Die europäische Ebene

Ein Gesetz gegen Entwaldung – aber ohne Schlupflöcher

Am 17. November 2021 legte die Europäische Kommission einen Vorschlag für eine neue Verordnung über Rohstoffe und Produkte vor, die mit Entwaldung und Waldschädigung in Verbindung stehen. Zuvor hatten sich auf der Klimakonferenz in Glasgow mehr als 140 Staats- und Regierungschefs zum Ziel bekannt, den weltweiten Waldverlust bis 2030 zu beenden.

Europa trägt besondere Verantwortung: Nach damaligen Angaben war die EU für 16 Prozent des Tropenwaldverlusts verantwortlich, der mit dem internationalen Handel von Rohstoffen wie Soja, Palmöl, Rindfleisch und Holz zusammenhing. Die Petition der Schülerinnen und Schüler forderte deshalb ein starkes Wald- und Ökosystemschutzgesetz ohne die bekannten Schwächen der früheren EU-Holzhandelsverordnung.

01

Lebensräume und Menschenrechte schützen

Rohstoffe und Produkte auf dem europäischen Markt dürfen weder mit Entwaldung und der Schädigung wichtiger Ökosysteme noch mit Menschenrechtsverletzungen – insbesondere gegenüber indigenen Völkern – verbunden sein.

02

Lieferketten lückenlos offenlegen

Vor dem Import oder Export müssen Sorgfaltsprüfungen sicherstellen, dass Lieferketten bis zum genauen Herkunftsort rückverfolgbar und transparent sind.

03

Wirksam kontrollieren und sanktionieren

Alle Unternehmen der Wertschöpfungskette müssen einbezogen werden. Einheitliche Kontrollen, besserer Datenaustausch, forensische Methoden und tatsächlich abschreckende Strafen sollen Schlupflöcher verhindern.

Originaldokumente und weiterführende Informationen

Quellen und Materialien, auf die sich das ursprüngliche Schülerprojekt bezog, ergänzt um neuere Beiträge zum Waldschutz.